Können Sie sich noch an eines Ihrer Weihnachtsgedichte erinnern?
Der Brauch, an Weihnachten Gedichte aufzusagen, ist schon älter als man denkt und hat schon viele Generationen und Gegenden begleitet. Auch Bayern! — Wer‘s also richtig traditionell mag, kann sich ja auch mal an einem original bayrischen Weihnachtsgedicht versuchen…
Inhaltsverzeichnis: Das erwartet Sie in diesem Artikel
Ein bayrisches Weihnachtsgedicht ist…
Ein bayrisches Weihnachtsgedicht ist ein Gedicht, das sich thematisch mit Weihnachten befasst und in bayerischer Mundart (Dialekt) verfasst ist. Diese Gedichte zeichnen sich oft durch eine herzliche, bodenständige und humorvolle Art aus und spiegeln die traditionelle bayrische Weihnachtskultur wider. Sie können besinnlich, lustig oder auch kritisch sein und greifen häufig typische Motive wie die Krippe, den Christbaum, die winterliche Landschaft oder die bayerische Gemütlichkeit auf.
Merkmale eines bayrischen Weihnachtsgedichts
- Dialekt: Die Texte sind oft in bairischer Schreibweise verfasst, z. B. „Da Kini kimmt“ statt „Der König kommt“.
- Traditionelle Werte: Oft geht es um Familie, Zusammenhalt, Bescheidenheit und die Bedeutung des Weihnachtsfestes.
- Humor & Ironie: Bayerische Weihnachtsgedichte nehmen manchmal das moderne Konsumverhalten oder den Weihnachtsstress aufs Korn.
- Naturverbundenheit: Die winterliche Landschaft Bayerns mit ihren verschneiten Wäldern und Bergen ist oft ein zentrales Motiv.
- Religiöser Bezug: Viele Gedichte erzählen von der Geburt Christi oder greifen christliche Werte auf.
Bekannte bayrische Weihnachtsdichter
- Ludwig Thoma: Sein berühmtestes Werk, die „Heilige Nacht“, erzählt die Weihnachtsgeschichte in bayerischer Mundart.
- Karl Heinrich Waggerl: Bekannt für seine besinnlichen Weihnachtsgeschichten und Gedichte.
- Joseph Maria Lutz: Schrieb viele bayerische Mundartgedichte, oft mit Bezug zu Weihnachten.
Heilige Nacht“ von Ludwig Thoma– Eine bayerische Weihnachtslegende
Das Werk von 1917 erzählt die Weihnachtsgeschichte auf bayerische Art – in einer Mischung aus tiefem Glauben, volkstümlicher Erzählweise und einer warmherzigen, bodenständigen Sprache.
Merkmale der „Heiligen Nacht“:
- Mundartlich verfasst: Das Gedicht ist in bairischer Sprache geschrieben und vermittelt damit eine ganz eigene, heimatverbundene Atmosphäre.
- Lebensnahe Figuren: Die Geschichte von Maria und Josef wird in die Welt bayerischer Bauern und Handwerker übertragen.
- Einfach, aber tiefgründig: Thoma nutzt eine schlichte, aber ergreifende Sprache, die bis heute viele Menschen berührt.
- Kritik an der Gesellschaft: Neben der Weihnachtsbotschaft schwingt auch eine leise Kritik am Hochmut der Menschen mit – eine Mahnung zur Nächstenliebe.
Berühmte Zeilen aus „Heilige Nacht“:
„Da Jodok, ’s war a reicher Mo,
Der schaut halt d’Leit vorn Obi o.
Und wem’s net guat g’angen is,
Der war bei ihm scho gar nix g’wiss.“
Thoma zeigt hier, dass nicht nur die Geburt Christi wichtig ist, sondern auch die Barmherzigkeit und der Umgang der Menschen miteinander.
Bedeutung & Tradition
Bis heute wird „Heilige Nacht“ in vielen bayerischen Haushalten an Heiligabend vorgelesen. Oft wird sie auch musikalisch begleitet, etwa mit Harfenklängen oder bayerischen Volksliedern.
Fazit: Ludwig Thoma hat mit „Heilige Nacht“ ein zeitloses Werk geschaffen, das die Weihnachtsgeschichte auf bayerische Art und Weise berührend und nachdenklich erzählt.
Karl Heinrich Waggerl: Der Meister der besinnlichen Weihnachtsgeschichten
Karl Heinrich Waggerl (1897–1973) war ein österreichischer Schriftsteller, der besonders für seine besinnlichen Weihnachtsgeschichten und Gedichte bekannt wurde. Obwohl er ursprünglich kein bayerischer Autor war, wird sein Werk in Bayern sehr geschätzt, da es die ländliche Weihnachtsromantik, Einfachheit und den spirituellen Charakter der Weihnachtszeit wunderbar einfängt.
Merkmale seiner Weihnachtsgeschichten und Gedichte:
- Einfache, aber tiefgründige Sprache: Waggerl schrieb in einer klaren und warmherzigen Art, die seine Erzählungen besonders eindringlich macht.
- Religiöse und moralische Themen: Seine Werke sind oft von christlichen Werten geprägt und erzählen von Nächstenliebe, Bescheidenheit und Dankbarkeit.
- Schlichte, ländliche Kulisse: Seine Geschichten spielen meist in kleinen Dörfern oder auf Bauernhöfen und schildern die Weihnachtszeit aus der Sicht einfacher Menschen.
- Nachdenkliche und berührende Botschaften: Seine Erzählungen regen oft zum Nachdenken an und vermitteln eine ruhige, besinnliche Atmosphäre, die den wahren Geist von Weihnachten einfängt.
Bekannte Werke von Karl Heinrich Waggerl:
- „Und es begab sich…“ – Eine seiner berühmtesten Weihnachtsgeschichten, die die biblische Weihnachtsgeschichte aus einer sehr menschlichen, bodenständigen Perspektive erzählt.
- „Das Christkind kommt bald“ – Ein liebevoller Text über die kindliche Vorfreude auf Weihnachten.
- „Weihnachten bin ich zu Hause“ – Eine Hommage an die Geborgenheit und Wärme der Familie in der Weihnachtszeit.
Seine Geschichten wurden oft in Lesungen vorgetragen und sind bis heute fester Bestandteil vieler weihnachtlicher Feiern und Rundfunksendungen. In Bayern und Österreich sind seine Texte ein fester Bestandteil der weihnachtlichen Tradition.
Joseph Maria Lutz: Bayerische Mundart, Heimatverbundenheit und weihnachtliche Poesie
Joseph Maria Lutz (1893–1972) war ein bayerischer Schriftsteller, der vor allem für seine Werke in bayerischer Mundart bekannt ist. Während seine bekanntesten Werke oft historische oder heimatverbundene Themen aufgriffen – darunter das Volksstück „Der Brandner Kaspar schaut ins Paradies“ –, hat er auch zahlreiche Mundartgedichte geschrieben.
Obwohl er nicht in erster Linie als Weihnachtsdichter gilt, spiegeln viele seiner Texte das bayerische Lebensgefühl, die Naturverbundenheit und die Traditionen wider, die auch in Weihnachtsgedichten eine zentrale Rolle spielen. Seine Lyrik ist oft geprägt von einer Mischung aus humorvoller Leichtigkeit, Besinnlichkeit und bodenständiger Weisheit, was sie für weihnachtliche Themen sehr passend macht.
Sein Schreibstil ist vergleichbar mit dem von Ludwig Thoma, der mit seinem Werk „Heilige Nacht“ die bayerische Weihnachtsliteratur stark geprägt hat. Wer bayerische Mundarttexte zur Weihnachtszeit sucht, könnte bei Lutz ebenfalls fündig werden – insbesondere, wenn man Gedichte sucht, die das ländliche Leben, Traditionen und das einfache, aber erfüllte Leben widerspiegeln.
Beispiel für ein bayrisches Weihnachtsgedicht:
(Kurze humorvolle Variante)
„Wia’s Christkind kimmt“
Drauß’n liegt Schnee, da Wind der pfeift,
d’Liachtl brenn, da Opa schweift.
„Früher“, sogt er, „war’s no schee,
koa Stress, koa Hektik, koa G’schrei!“
D’Mama backt, da Papa fluacht,
weil d’Lichterkett‘ net leuchten tuacht.
Da Opa lacht und sogt ganz gschwind:
„Des is halt so, wenn Weihnacht kimmt!“
Bayrische Weihnachtsgedichte sind eine wunderschöne Möglichkeit, die Weihnachtszeit mit Charme, Humor und Tradition zu feiern. Sie eignen sich perfekt für Vorträge an Heiligabend, in Familienrunden oder als liebevolle Weihnachtskarte.
Beispiel für ein bayrisches Weihnachtsgedicht:
Die Großen dürfen Packerln packen,
Die Kleinen warten aufs Kekse backen,
Geschmückt ist bald das ganze Haus, Moi, so sieht bei uns in Bayern A richtig scheene Woihnacht aus!
Es gibt aber auch Weihnachtsgedichte, die sich besonders auf einen Ort beziehen. Zum Beispiel auf die bayrische Landeshauptstadt München.
In München leuchtet die Chaussee, Augen funkeln — ach, so schee! Liab erfüllt die ganze Stadt, Weil‘s Christkind heut‘ Geburtstag hat.
Ein bayrisches Weihnachtsgedicht gibt es für jede Zeit — sowohl passend zur Vorweihnachtszeit, als auch zum Moment der Bescherung und zum Preisen der Feiertage. Diese inspirierenden Sprüche können Sie und ihre Familie während der ganzen Weihnachtszeit begleiten…
Vorfreude: Ein bayrisches Weihnachtsgedicht zur Vorweihnachtszeit
Die eine Aufgabe von Weihnachtsgedichten ist es, einem die Zeit vor Weihnachten zu versüßen. — Das geht auch auf Bayrisch! Hier finden Sie ein bayrisches Weihnachtsgedicht, das genau zu dieser Zeit der Vorfreude und Erwartung passt.
Buab‘n und Madl‘n, Groß und Kloa Freu‘n sich auf‘s Christkind jedes Joh. Joh um Joh kimmt‘s zu uns geflog‘n Um uns all‘ „froh Weihnocht“ zu sog‘n
Dieses bayerische Weihnachtsgedicht ist für die ganze Familie und erinnert vor allem an die Zeit der Harmonie, die besonders der Familie gehört.
Mutter, Vater, Tochter, Sohn
— Alle erwarten sie das Christkindl schon Es kimmt g‘flogen hinab auf die Erd Dass mia all mitanonnond wieder glücklich werd‘!
Einer dieser Sprüche fängt die Weihnachtsatmosphäre ein.

Anschaulicher für die Kinder wird sicher dei Weihnachtsgeschichte wenn die Engelchen dabei sind (#02)
Tannenzweige — im Hausl und davoa
Kerzenschein und Zimt
Darauf freun sich alle — ob Groß, ob Kloa: Es ist net mehr lang bis die Woahnacht kimmt
Und dieses Gedicht:
Äpfel braten mit Mutter, Vater, Kind Sterne basteln — das machen mia —
Und Kekse backen geschwind‘ bis der Weihnachtsmann kimmt
Ja, dos is die Woihnacht hia
Feiertage: Ein bayerisches Weihnachtsgedicht unterm Weihnachtsbaum
Wenn alle Türchen des Adventskalenders geöffnet sind und alle Kerzen am Adventskranz brennen, ist es so weit: Der Weihnachtsmann steht vor der Tür! Die ewig scheinenden Minuten bis zu heiß ersehnten Bescherung kann dieses bayerische Weihnachtsgedicht unterhalten:
In der guaten Stuben steht der Tannenbaum, Geschmückt mit brennend‘ Lichterkerzen Und Kugeln — welch ein Traum! In der guaten Stuben erklingt manch goldig Liad Damit das Christkindl schneller kommen wiad.
Endlich Bescherung! — Auch für diesen aufregenden Moment gibt es ein passendes bayrisches Weihnachtsgedicht. Sie könnten Ihre Kinder dieses Gedicht zum Beispiel als Aufgabe vor der Bescherung aufsagen lassen.
Kinder kimmt´s nei in die g‘schmückt‘ Stube,
Denn der Weihnachtsmann war da, der Guate, Er hat Euch viel Feines mitgebracht,
damit Ihr alle voller Freude lacht!
Fazit: Bayerisches Weihnachtsgedicht – Traditionell „froh‘ Woihnocht“ sagen
Bayerische Weihnachtsgedichte sind mehr als nur festliche Verse – sie sind ein Ausdruck von Heimatgefühl, Tradition und Herzenswärme. Ob besinnlich, humorvoll oder nachdenklich, sie vermitteln die besondere Atmosphäre der staaden Zeit auf eine bodenständige und authentische Weise.
Durch die bayerische Mundart bekommen diese Gedichte einen einzigartigen Charme, der das Weihnachtsfest auf liebevolle und oft humorvolle Weise widerspiegelt. Sie greifen typische Motive wie verschneite Landschaften, Krippen, den Christbaum und das Beisammensein mit Familie und Freunden auf. Dabei erinnern sie uns daran, dass Weihnachten nicht von Hektik und Konsum geprägt sein sollte, sondern von Gemeinschaft, Besinnlichkeit und einfachen Freuden.
Ob vorgetragen an Heiligabend, geschrieben in einer Weihnachtskarte oder als liebevolles Geschenk – ein bayrisches Weihnachtsgedicht bringt die festliche Stimmung mit einem Augenzwinkern und viel Herz zum Ausdruck. Und so bleibt nur noch zu sagen:
„A g’segnete, friedliche und frohe Woihnocht für alle!“ 🎄✨
Bildnachweis:©Fotolia-Titelbild: Jag_cz-#01:Gina Sanders-#02: cohelia-#03: by-studio
1 Kommentar
Danke für die Seite, aber in Bayern keine Kekse, sondern Platzl, Laible oder Weihnachtgebäck gebacken. Des Weiteren sollte statt Weihnachtsbaum doch lieber Christbaum verwendet werden, wenn man sich auf Bayern bezieht. Den Weihnachtmann habe ich auch noch nicht im Bayrischen gesehen. Das Christkind schon eher. Wenn authentisch, dann scho gscheid.
Mit freundlichen Grüßen. A. Schlesier
Dem kann ich nur zustimmen.
Das ist mir auch gleich aufgefallen. Bei uns im Bayrischschwaben werden keine Kekse, sondern Plätzla gebackenund bei uns steht der geschmückte Christbaum in der Stube. Bald kommt dann das Christkind zur Bescherung, den Weihnachtsmann gibt’s bei uns nicht.
Eine gute Zeit,
Isabella Z.